Herkunft

Warjas Mutter Mary Lavater-Sloman wurde 1891 in Hamburg geboren und starb 1980 in Zürich. Sie entstammte einer der wichtigen Hamburger Reederfamilien. Ihr Ururgrossvater William Sloman war von Great Yarmouth (England) nach der blühenden Hansestadt übergesiedelt und hatte 1793 eine Schifffahrtsgesellschaft gegründet. Ihre Grossmutter, Amélie Albers-Schönberg (1845–1919), war eine begnadete Zeichnerin. Auch ihre Mutter, Mary Amélie Loesener-Sloman (1868–1960), war eine leidenschaftliche Malerin. Weil ein Teil der Vorfahren aus England stammten, wurde ihre Sprache in der Familie gepflegt. Nach ihrer eigenen Erzählung hatte Mary Sloman eine englische Nurse und eine französischsprachige Schweizerin als Gouvernante. Weil sie mit ihrem Vater Friedrich Leopold Robert (Fritz) Loesener-Sloman (1864–1936) oft nach Russland reiste, sprach sie auch diese Landessprache fliessend. Als sie 18 Jahre alt war, siedelte die Familie nach St. Petersburg. Dort lernte Mary Sloman ihren zukünftigen Ehemann Emil Lavater kennen. Die Sprachkenntnisse kamen ihr später zugute, da sie viele Quellen für ihre Bücher im Originaltext lesen konnte.
Warjas Vater Emil Lavater wurde 1882 in Paris geboren und starb 1962. Er war Bürger von Zürich und stammte direkt vom Bruder des Johann Caspar Lavater ab, seinem Ururgrossvater Diethelm Lavater (1743–1826), der Medizin in Leipzig und Halle studierte. Zurück in Zürich hatte dieser verschiedene politische Ämter inne, war Mitglied der Zunft zur Saffran und leitete ab 1772 die Freimaurerloge Modestia cum Libertate. Als Mitglied des Sanitätsrats war er ein wichtiger und innovativer Arzt, der auch kranke Menschen bei sich zu Hause versorgte. Emil Lavaters Urgrossvater, Diethelm Heinrich Lavater (1781–1846), und sein Grossvater, Karl Lavater (1804–1857), waren ebenfalls Mediziner in Zürich. Erst sein Vater, Karl Diethelm Lavater (1838–1889), brach mit der beruflichen Familientradition, wurde Kaufmann und zog nach Neuilly bei Paris. Emil Lavater kam mit 16 Jahren nach Winterthur, machte die Matura und studierte Maschineningenieur am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er arbeitete für verschiedene Firmen in den USA, bei den Škodawerken in Pilsen und bei der Firma Duflon Konstantinowitsch & Co. in St. Petersburg, wo er Mary Sloman kennen lernte.
Mary Sloman und Emil Lavater heirateten 1912 und lebten in Winterthur, wo er für die Maschinenfabrik Sulzer tätig war. 1913 kam die Tochter Barbara Esther, genannt Warja, auf die Welt. Im Auftrag seines Arbeitgebers übersiedelten sie nach Moskau, wo der Sohn Hans Caspar geboren wurde. 1918 mussten mitten im Russischen Bürgerkrieg fliehen, was sehr schwierig war. Die Bolschwiken hatten ihr Bankkonto geplündert. Aber die Lavaters hatten Glück, sie konnten sich Fahrkarten nach St. Petersburg ergattern und von dort in einem offenen Karren nach Tallinn gelangen, über Umwege dann auch weiter nach Deutschland.
Sie wohnten zunächst wieder in Winterthur, wo der Sohn Hans Rudolf auf die Welt kam. Von 1920 bis 1922 lebte die Familie in Athen, wo Emil Lavater ebenfalls für Sulzer tätig war. Zurück in Winterthur wurde 1926 die Tochter Cleophea Ursula geboren und Mary Lavater-Sloman begann, ihre ersten Bücher zu schreiben. Mit Biografien historischer Persönlichkeiten wurde sie zu einer Bestsellerautorin.

Johann Caspar Lavater
Der Pfarrer und Philosoph Johann Caspar Lavater war eine wichtige Figur in der Familie. Es wurden Bücher und Gegenstände aufbewahrt, die ihm gehört hatten. Warjas Urururgrossonkel Johann Caspar Lavater wurde am 15. November 1741 im Haus «Zum Waldries» an der Spiegelgasse 11 in Zürich geboren. Sein Vater war Arzt und Pfleger des Stifts zum Grossmünster, seine Mutter eine geborene Escher vom Glas.
Mit einer Klageschrift im Jahr 1762, die anonym an alle wichtigen Männer in Zürich ging, machten Lavater und seine Freunde Heinrich Füssli und Felix Hess auf den Amtsmissbrauch des ehemaligen Landvogts Felix Grebel aufmerksam. Obwohl dieser verurteilt wurde, mussten die Autoren kurzzeitig das Land verlassen.
1766 heiratete Lavater Anna Schinz (1742–1815). Sie hatten acht Kinder, von denen aber nur Heinrich (1768–1819), Anna («Nette», 1771–1852) und Anna Louise (1780–1854) das Erwachsenenalter erreichten.
Zwischen 1775 bis 1778 legte Lavater die vier Bände seiner «Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnisse und Menschenliebe» vor, in denen er seine Forschung über die Physiognomie des Menschen darstellte. Er liess Teile von Gesichtern wie Mund, Ohren und Nase zeichnen, um die verschiedenen Typen von Menschen darzustellen. Er zeigte damit auf, dass auch ein Bauer oder ein armer Mensch intelligent und schön sein kann.
1775 wurde Lavater zum ersten Pfarrer an der Waisenhauskirche gewählt, drei Jahre später wurde er Diakon an der Zürcher Stadtkirche St. Peter. Die Machtübernahme von Napoleon veranlasste Lavater 1798, die Schrift «Wort eines freyen Schweizers an die französische Nation» zu publizieren. Im Jahr darauf wurde er deshalb verhaftet und sass einen Monat in Basel in Gefangenschaft. Als im September französische Soldaten vor seinem Haus in Zürich sassen, brachte er ihnen Brot. Aber einer dieser Soldaten schoss ihn ins Bein. An dieser Wunde verstarb Lavater nach langer Leidenszeit am 2. Januar 1801.